Neuigkeiten aus der Gemeindeleitung – Juli 2026

Neuigkeiten aus der Gemeindeleitung – Juli 2026

Liebe AGAPE Familie und Freunde,

Ich bin in einer Einzimmerwohnung mit Balkon in Schwabing aufgewachsen. Deshalb genieße ich es heute umso mehr, dass wir einen Garten haben. Allerdings braucht ein Garten Pflege, Aufmerksamkeit und Geduld. Dabei entdecke ich immer wieder Parallelen zu unserer Gemeinde.

Da ist zum Beispiel eine kleine Rose, die wir „Rosi“ nennen. Sie wurde immer mickriger und neigte sich zunehmend zur Seite. Mir fiel auf, dass sie neben einer Pflanze stand, mit der sie sich offensichtlich nicht gut vertrug. Schließlich merkte ich, dass sie einging. Also pflanzte ich sie an eine andere Stelle im Garten um.

Doch auch dort ging es ihr nicht besser. Ich begann, sie besonders zu pflegen. Ja, ich betete sogar jeden Morgen für sie. Dann bekam sie auch noch einen Pilzbefall, und ich dachte schon, dass sie es vielleicht nicht schaffen würde. Aber ich wollte nicht aufgeben. Ich düngte sie, kümmerte mich weiter um sie und betete für sie. Sie sah erbärmlich aus.

Zu meiner großen Freude überstand sie schließlich den ersten Winter. Im Frühjahr trieb sie wieder aus, blieb aber noch recht klein.

Inzwischen sind drei Jahre vergangen. Und in diesem Jahr ist Rosi über und über mit wunderschönen rosafarbenen Blüten bedeckt. Manchmal kommt es mir vor, als würde sie mich anschauen und sagen: „Ernő, du hast dich so treu um mich gekümmert, und jetzt darfst du dich an meiner Schönheit freuen.“ Genau so freue ich mich, wenn Menschen in der Gemeinde aus dem Hintergrund hervortreten und wenn ihre Schönheit zum Vorschein kommt, die Jesus in sie hineingelegt hat.

Heute nerve ich die ganze Familie damit, dass sie doch bitte Rosi ausgiebig bewundern soll. Sollten wir uns nicht auch gegenseitig bewundern und staunen, wie schön wir geschaffen sind?

Ähnlich erging es unserem alten Rhododendron im Vorgarten. Vor einigen Jahren bekam er gelbe Blätter und setzte kaum noch Blüten an. Ich erkundigte mich und erfuhr, dass man einen so alten Rhododendron nicht einfach ausgraben und neu einsetzen sollte. Stattdessen musste ich ihn mit spezieller Erde versorgen und ihm regelmäßig Nährstoffe zuführen. Auch ihm ging es zunächst weiterhin schlecht. Die Nachbarn rümpften schon die Nase über meinen offensichtlichen Misserfolg. Aber ich gab nicht auf und pflegte ihn weiter. Und dieses Jahr war er über und über mit wunderschönen Blüten bedeckt. Die Hummeln umschwärmten ihn, und es war eine Freude, ihn zu betrachten.

Ist es in der Gemeinde nicht ähnlich? Sollten wir uns nicht gerade um diejenigen kümmern, die unbeachtet am Rand stehen? Um die Menschen, die nicht gern im Rampenlicht stehen? Sind es nicht oft genau diese Menschen, bei denen Jesus uns leise zuflüstert: „Geh hin und sprich mit ihm. Geh hin und sprich mit ihr.“

Rosi hat mich manchmal gestochen, wenn ich sie gepflegt habe. Das kann uns auch bei Menschen passieren, denen wir uns zuwenden. Aber geschieht das nicht ebenso bei Menschen, die uns nahestehen und mit denen uns der Umgang leichtfällt? Keiner sollte am Rand stehen und unbeachtet verkümmern. Ich glaube, das gilt nicht nur für die Menschen in unserer Gemeinde, sondern ganz besonders auch für unseren Foodtruck-Dienst.Dort begegnen wir Menschen, mit denen wir sonst wahrscheinlich nie in Kontakt kämen. Sie haben Lebensgeschichten und Lebensweisen, die uns oft fremd sind. Doch in den Monaten, seit wir mit dem Truck unterwegs sind, hat sich dort eine kleine Gemeinschaft gebildet.

Viele warten schon lange, bevor wir ankommen, und begrüßen uns von Weitem. Wenn man ihnen aufmerksam zuhört, erzählen sie von ihren Sorgen, ihren Verletzungen und den schweren Erfahrungen ihres Lebens. Und wenn ich sie beim nächsten Mal wiedersehe, entdecke ich oft einen besonderen Glanz in ihren Augen. Sie freuen sich, dass wir uns wieder begegnen. Sie merken: Da ist jemand, der mich wahrnimmt. Jemand, der sich an mich erinnert. Lasst uns deshalb wie Laurentius handeln. Als der Kaiser von Rom von ihm verlangte, die Schätze der Kirche auszuliefern, verschenkte Laurentius zuvor alles an die Armen. Dann führte er die Armen der Stadt vor den Kaiser und sagte: „Sieh her, das sind die wahren Schätze der Kirche. Diese Armen sind ihre Perlen und Edelsteine. Ihr Glaube glänzt, und in ihnen lebt Christus.“

Das erinnert mich an die Worte Jesu in Matthäus 6,19–21, wo er uns auffordert, Schätze im Himmel zu sammeln. Wenn wir seine übrigen Worte betrachten, wird schnell deutlich, was er damit meint.

Ich wünsche uns allen, dass wir uns neu fragen, ob wir Schatzjäger sind. Dass wir die Schätze entdecken, die Jesus uns über den Weg führt und die wir so leicht übersehen. Und dass wir Wege finden, unsere Liebe zu Jesus und zu den Menschen ganz praktisch sichtbar werden zu lassen.

Ernő Andrich